Die Sache mit den Emails (vorsicht, hoher Geek Faktor!)
Hacking . Security . ToolingDa einem Kollegen von mir Namentlich Bartosz, regelmäßig teilweise wirklich unglaubliche Dinge passieren, habe ich mal angefragt, und werde jetzt hin und wieder daraus etwas schildern…. tada…. *Tusch oder so*
Bartosz Welt:
Neulich beim abendlichen Chat mit einem Bekannten:
< 23:21:19 xxxxxxxxx: die uni bei uns hat jetzt nen neuen spamfilter - exchange spam irgendwas, extern gehostet bei microsoft. halte ich nicht sehr viel von, daß auch nur eine meiner mails durch microsofts hände geht... also habe ich dem support ne mail geschrieben, daß ich bitte auf den spamfilter verzichten will. leider scheint meine nachricht bei denen im spam gelandet zu sein. klasse. gut gemacht, microsoft. >
Just ein paar Tage bekam ich von dem Administrator der Universität Coventry – wie wahrscheinlich viele Studenten der Uni Coventry folgende Email:
< There is currently a problem with email in that incoming emails to the University are being bounced back to senders. The problem has been traced to the external iCritical anti-spam service and they are currently investigating. We expect a further update from them in half an hour or so. Most external email systems will continue trying to deliver for some time and so when iCritical fix the problem, these pending emails should then be delivered. That process may take some time however (as there will be a backlog). We are currently hopeful of seeing any such delay cleared by Monday. Outgoing mail will not be affected by this fault. >
Es ist schon erstaunlich…. da nutzen die einen extra Anbieter für Ihre Spambewältigung…
Da ich obiges Gespräch noch deutlich im Hinterkopf hatte, habe ich das einfach mal meinem Kontakt mitgeteilt und verhielt folgende doch recht spassige Antwort:
< Von: Bartosz xxxxxxxxxxxxx
Datum: 20. Januar 2007 23:30:04 GMT+00:00
An: Philipp Haussleiter
Betreff: Re: Fwd: Email problem – Update
Jetzt rate mal was die fürn n spamfilter haben? 😀
Zumindest einen, dessen Webseite mehr nach Enterprise und Web 2.0 aussieht als die von unserem off-site SPAM-Filter:
https://spam.frontbridge.com/
Sicher, mir kann das an sich auch schnurz piepe sein, was die Uni einsetzt – ich habe für meine Uni-Mail-Adresse sofort eine Weiterleitung auf bartosz@xyz gesetzt, für den Fall daß irgendein Depp da ne Mail hinschickt, benutze aber auch an der Uni immer nur meine Privatadresse.
Lustigerweise ist eine Weiterleitung an eine nicht-Uni-Adresse übrigens verboten. Angeblich verursacht das sonst hohe Kosten wegen der großen zu übertragenden Datenmengen. Aber wenn alle ununterbrochen YouTube-Videos schauen und sich per MSN Messenger (ja, auf den stehen die hier alle total) und Webcam unterhalten, dann ist alles in Butter… Ich leite meine @tcd.ie-Adresse daher an meine, ebensowenig gewollte oder bewußt genutzte, @cs.tcd.ie-Adresse weiter. Von *dieser* Adresse aus dann ist eine Weiterleitung dann plötzlich erlaubt, egal ob nach Timbuktu oder Tatarstan. Das liegt daran, daß die Informatik ihr eigenes Netz betriebt und ihre eigenen Regeln aufstellt. Albern ist es aber allemal.
Und dieser ganze Unfug führt zu albernen Situationen wie dieser: Ich habe letztens eine Mail an Paul geschickt. Der sitzt am Schreibtisch neben mir, vielleicht einen Meter entfernt. Meine Mail ging erst per SSH-Tunnel, der per OpenVPN durch den SOCKS-Proxy der Uni getunnelt wird (um die blöde Regelung zu umgehen, daß nur bestimmte Dienste und Ports erlaubt sind) zum OpenWrt-Router bei meinen Eltern in Dortmund. Von dort aus ging es weiter zum Mailserver von all-inkl.de. Dieser hat die Nachricht dann an Pauls Mailserver an der Carnegie Mellon University geschickt. Paul hat die Mail empfangen und mit mutt gelesen – eingeloggt auf einem CMU-Server per SSH, über SOCKS getunnelt.
Hätte er an meine @tcd.ie Adresse zurückgeschrieben, wäre die Reise noch abenteuerlicher geworden: Von Pauls Schreibtisch aus über SSH und SOCKS mit mutt geschrieben, wäre die Nachricht nach einem kurzen Aufenthalt in den USA nach Irland zurückgekommen. Der tcd.ie-Mailserver hätte sie an den cs.tcd.ie-Server geleitet. Dieser wiederum hätte die Nachricht an bartosz@xyz und damit zu all-inkl.de in Deutschland geschickt. Von hier hätte ich sie abgerufen, mit Thunderbird über den SSH-Tunnel im OpenVPN-Tunnel zum OpenWrt-Router durch den SOCKS-Proxy. Ich mag gar nicht zählen, wie oft diese Nachricht das TCD-Netzwerk betreten und verlassen hätte – und all das nur, um deren Bandbreite zu schonen. Das sind schon ein paar ganz tolle Helden, die das hier alles geplant haben.
Und die Krönung des ganzen ist dann noch der externe Spam-Filter. Die Nachricht hätte eine weitere Runde über den großen Teich gedreht, weil sie der tcd.ie-Mailserver zur Kontrolle an frontbridge.com geschickt und von dort wieder zurückbekommen hätte.
Ja, so ist das, wenn Administratoren sich aufspielen und technisch versierte Nutzer sich widersetzen. Wahrscheinlich sollten wir, wie 99% des Univolkes, den erbärmlichen Webmailer einsetzen und niemals hinterfragen, ob dies der Weisheit letzter Schluß sein kann…
Gruß,
– Bartosz
PS: Meine Rechtschreibprüfung kennt “Timbuktu” nicht… sowas.
Ich muss mir unbedingt mal die Zeit nehmen um die Emails auf der großen Weltkarte einzuzeichnen >
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